17 halbrum

Für eine bevorstehende Autofahrt wollte ich mir mal wieder eine Audio-Kassette zusammenmixen und die Fahrt mit einer Zusammenstellung von musikalischen Highlights aus 2017 beglücken. Hat leider nicht geklappt, da mein Kassettendeck es wohl nicht mehr hinbekommt Kassetten ohne Bandsalat abzuspielen oder aufzunehmen. Für die Zukunft muss ich mir da wohl was einfallen lassen damit dieses geliebte Hobby nicht ausstirbt!

Stattdessen kam ich nun dazu die Playlist auf Spotify zu erstellen was es wiederum möglich macht sie hier zu teilen.

¯\_(ツ)_/¯

SideA

SideB

‘So bist du’ von Mutter gehört zur SideB gibts nicht im Stream, ist aber hier zu hören.

Frühling im Juli

Es ist ziemlich genau die Mitte des Jahres erreicht. Sommergefühle könnten derzeit vielleicht überwiegen. Tun sie aber nicht.

Gerade denke ich mich in einen schneebedeckten Wald, zurück in den Winter. Zwischen blätterlosen Bäumen stehe ich und beobachte Vögel wie sie nach einer langen dunklen Winterzeit beginnen zu singen und den Frühling rufen. Sie sehnen das Leben herbei und wollen Futter und Sonne und musizieren.  Wenn ihr die Augen schließt und diese Lied hört, könnte es euch ähnlich gehen. Oder ihr schaut zu und genießt ein paar Minuten Wundervolles an diesem Abend!

Die ukrainische Band ‘DakhaBrakha’ mit ‘Vesna’ (Frühling).

‘Der erste Horizont meines Lebens’ | Liliana Corobca

Als Kind habe ich früh begonnen Fussballspiele zu sehen. Das war aufregend, denn Fussball fand ich früh faszinierend und mein Vater hat alles geschaut, was es an Partien so im Fernsehen zu sehen gab. Da war es zwangsläufig so, dass ich einige mitgeschaut habe. Es waren zum größten Teil Grottenkicks und Begegnungen, die ich zurecht vergessen habe. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ich als 6-jähriger jedes Spiel mit voller Konzentration verfolgt habe. Doch damals reichte es wenn Tore fielen und ein Andreas Möller oder Marco Bode jubelten oder Jürgen Kohler eine seiner knallharten Grätschen auspackte – das waren schöne Highlights.

Doch was bleibt wenn man im jungen Alter quasi wöchentlich Europapokalspiele deutscher Mannschaft sieht? Nun, wohl die Begeisterung für den Fussball. Bei mir gab es noch einen anderen Effekt: ich habe Europa kennengelernt. Zumindest von den Namen her. Die deutschen Mannschaften hatten nun mal Gegner und die kamen aus allen möglichen Ländern. So wurde es zu einer Art frühem Hobby von mir wissen zu wollen woher die gegnerischen Teams kommen. Da gab es Spiele von Werder Bremen gegen FK Bodø/Glimt aus Norwegen, vom VfL Wolfsburg gegen Debresceni VSC aus Ungarn, der Karslruher SC spielte gegen Anorthosis Famagusta aus Zypern, Kaiserslautern gegen RC Lens aus Frankreich undsoweiter undsoweiter. Mit den Jahren hatte ich zu jedem Land ein paar Städte- oder zumindest Vereinsnamen erfahren und kannte Europa. Das war ziemlich abgefahren und bis heute sind diese Vereine aus ganz Europa in meinem Kopf abgespeichert. Auch die Nationalmannschaft hat gegen Nationen gespielt, die ich nie zuvor hörte und ich stellte mir immer vor an welchem Ende der Welt diese Ländern wohl liegen würden – später begriff ich das sie gar nicht weit weg sind. Eines dieser Duelle, war Deutschland gegen Moldawien. Wer die Highlights dieses einseitigen Länderspieles aus dem Jahr 1995 sehen möchte, kann es hier tun.

Ein Land namens Moldawien – das war neu für mich und in dem Zusammenhang habe ich das erste Mal von ihm, dem Land, gehört. Ich hatte keine Vorstellungen, wie es in dem Land aussieht und wie es sich dort wohl leben lässt. Dieser Zustand hat sich bis heute nicht verändert. Ich kann mich nicht erinnern, dass eine Nachricht aus Moldawien mal eine große Schlagzeile war und einer breiten Öffentlichkeit dieses Land nähergebracht hätte. Mittlerweile weiß ich, dass es zwischen Rumänien und Ukraine liegt und teilweise nur zwei Kilometer vom Schwarzen Meer entfernt ist, aber keinen Zugang zu diesem Meer besitzt. Und ich habe ein Buch gelesen, dass mir eine Sichtweise gegeben hat, wie es ist in diesem Land zu leben.

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Erschienen im Zsolnay Verlag, 2015

‘Der erste Horizont meines Lebens’

Dieser Roman von Liliana Corobca ist ein intensives Erlebnis und präsentiert dem Leser das Leben der zwölfjährigen Cristina. Das Geschehen wird überwiegend aus den Augen Cristinas erzählt und man nimmt die Welt mit ihren Gedanken und ihren Denkmustern war. Sie schildert ihre Lebensweise und Empfindungen – und die sind hart, erschrekend und auch liebevoll. Cristina hat viel Verantwortung: sie lebt mit ihren zwei Geschwistern in einem Haus in einem moldawischen Dorf. Sie schmeißt den Haushalt, kümmert sich um Wehwehchen, sorgt sich um die Tiere, kauft ein und unterhält und erzieht ihre Geschwister. Dabei wirkt Cristina schon sehr erfahren und hat eine routinierte Sicht auf alltägliche Probleme: wenn beispielsweise ihr Bruder von einer Zecke gebissen wird, weiß sie, dass sie jemanden aus dem Dorf holen muss, der gekonnt die Zecke entfernen kann. Cristina ist eine tapfere Heldin, die Wünsche eines Kindes hat, diese aber zurückstellt, damit es den Brüdern gut geht, für die sie sorgen muss. Das möchte sie auch damit sich ihre Eltern keine Sorgen machen müssen. Denn ihre Eltern sind im Ausland um Geld zu verdienen, das es in Moldawien nicht zu verdienen gibt. Der Vater ist in Russland und die Mutter in Italien. Einmal die Woche telefonieren sie mit den Kindern und einmal im Monat schicken sie Geld. Zweimal pro Jahr kommen sie zu Besuch. Nur so ist es möglich den Kindern ein lebenswertes Heranwachsen zu ermöglichen. Doch, ob das die ideale Kindheit ist? Wenn Eltern permanent vermisst werden und kaum präsent sind? Dort ist kein Vater, der mit den Kindern Fussball guckt. Cristina bietet alles was sie hat um für ihre Brüder ein guter Ersatz zu sein. Sie liest ihnen vor, spielt mit ihnen, macht ihnen essen, fordert ihre Hilfe im Haushalt und bringt ihnen Wertvorstellungen und moralische Haltung bei. Die Rund-um-Erziehung. Die junge Heldin bleibt trotz ihrer kindlichen Verletzlichkeit und ihrem durchaus vorhandenen Bedürfnis einfach mal zu weinen stets ein Vorbild für die Geschwister.

Es ist ein radikaler Blick in ein ländliches Moldawien in dem die Perspektiven fehlen. Liliana Corobca thematisiert diesen durchaus realen Zustand der Kinder in einem der ärmsten Länder Europas. Welche Auswirkungen hat es wenn es ein dauerhafter Zustand wird, dass Kinder in Europa unter solchen schwierigen Bedingungen aufwachsen? Es scheint die Kinder im gesamten Dorf seien der unzureichenden ökonomischen Situation des Landes ausgeliefert. Niemand interessiert sich für sie, nie ist zu spüren, dass es eine Öffentlichkeit, einen Bürgermeister oder eine Regierung gibt, die sich für ihr Schicksal interessiert. Es gibt den losen dörflichen Zusammenhalt, aber ansonsten sind Cristina und ihre Brüder einsam. Für jeden Leser dieses Romans sind sie schmerzhaft einsam.

Nun weiß ich von Schmerzen in Moldawien. Nicht ganz am Schwarzen Meer. In Europa.

hörBar #3 | Yuck – Stranger things

Ganz unerwartet begegnet mir an diesem späten Sonntagabend ein feines Album. Nachdem ich es nun zum vierten Mal höre, kann ich es euch nicht vorenthalten. Vielleicht seid auch ihr in Stimmung für die Band Yuck? Ich hatte gar keine Erwartungen vor dem Hören des Albums. Zumindest war ich aber neugierig da mir vor allem die erste Platte aus dem Jahr 2011 ziemlich gut gefällt (‘you are making a milkshake of my mind’).

‘Stranger things’ ist kein Meisterwerk – und doch mehr als eine schöne Momentaufnahme. Songs wie ‘I’m OK’ oder ‘Yr face’ gehen mir für einige Zeit bestimmt nicht aus dem Kopf und sorgen gerade für eine höchsterfreuliche Nacht.

hörBar #2 | Best 2015 (Part II)

Das Musikjahr 2015 war ein gutes. Wie ihr hier schon lesen konntet, gab es aufregende Neuheiten. Nun gehts weiter mit dem Plätzen 5 bis 1 meiner persönlichen Lieblingsalben des Jahres!

Zu Beginn des neuen Jahres habe ich festgestellt, dass mich Neuheiten gar nicht mehr so richtig interessieren. Stattdessen widme ich mich gerade einigen großen Musikern und deren Diskographien. Derzeit bin ich sehr neugierig darauf von bekannten Künstlern mehr als nur die Standardhits kennenzulernen. Könnte sein, dass sich die nächsten hörBars den Klassikern widmen werden.

Nun aber erstmal viel Freude mit meinen Alben aus 2015!

05_ Toro y Moi – What for?

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Entspannter Gitarrenpop! Toro y Moi haben auf ihrer Platte einige Songs, die perfekt geeignet sind um morgens nicht ganz so griesgrämig aus dem Bett zu kommen. Dazu gesellen sich melancholischere, langsamere Stücke, die aufgrund der quietschfidel klingenden Synthie und Gitarre trotzdem sehr lebhaft sind. Gut tanzbar und für mich so etwas wie das Feel Good-Album des Jahres.

Musst du hören: Spell it out, Empty nesters, The Flight

 

04_ Tame Impala – Currents

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Kevin Parker, Sänger und Kreativkopf von Tame Impala, singt verträumt über die verflixte Liebe und andere alltägliche Katastrophen. Egal worüber Parker so singen würde, ich würde immer daran glauben, dass es Hoffnung gibt. Dieser neue Psychedelic Pop ist zugänglicher als das bisherige Werk der australischen Band und das ist gut. Es ist nicht mehr so rockig und das ist kein Vorwurf. Ich bleibe Fan.

Musst du hören: Let it happen, The less I know the better, New person same old mistakes, Reality in motion, The moment

 

03_ Zugezogen Maskulin – Alles brennt

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Zugezogen Maskulin sagen an, was Sache ist. Wer nicht weiß, wie ZM so zu gesellschaftlichen und politischen Themen stehen, hört sich “Alles brennt” an und weiß Bescheid. Könnte aber sein, dass man beim Hören was auf die Fresse bekommt. Aber das ist nicht schlimm. Denn wem etwas nicht passt, der muss was verändern. Verändern ist nie leicht und kostet Kraft. Grim104 und Testo legen Zustände in Deutschland offen, die in dieser Klarheit selten benannt werden. Nach dem Hören hat man einen anderen Blick aufs Land und kann gar nicht wollen, dass alles so bleibt wie bisher.

Musst du hören: Plattenbau OST, Grauweißer Rauch, Schiffbruch, Oi!

 

02_ Widowspeak – All yours

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Widowspeak ist so ziemlich das Coolste, was die USA musikalisch zu bieten haben. Sie machen Alternative Rock gepaart mit einer Relaxtheit, wie man sie nur haben kann, wenn man mit sich im Reinen ist. Bei ihrer Musik stelle ich mir vor, wie die Band gerade auf dem Highway in der amerikanischen Wüste unterwegs ist und wohl nie wieder irgendeine Art von Verpflichtung haben wird. Ein Leben als glücklicher Outlaw. Grooviger Wüsten-Country ist meine Beschreibung ihres Musikstils. In den Gesang von Molly Hamilton würde ich mich gerne einwickeln.

Musst du hören: Girls, Narrows, My babys gonna carry on, Stoned

 

01_ Anna von Hausswolff – The Miraculous

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“The Miraculous” ist der Soundtrack zur Selbstreinigung. Bei Anna von Hausswolffs Musik kann man beim ersten Hören nicht davon ausgehen, dass sie Spaß macht. Zu sehr klingen Melodie und Gesang nach Schmerz oder Aufopferung. Die langen (Kern-)Stücke ihres Albums sprießen auch vor Düsterheit. Doch die verbindenen Songs lassen Hoffnung entstehen, wirken sie doch erhellend und hinterlassen die Hörenden mit dem Gefühl der Zuversicht (wie bspw. der letzte Track “Stranger”). Was man von Anna von Hausswolff zu hören bekommt, ist wie das Leben: es gibt große Gesten, tiefgehende Emotionen, lange Tiefs und empfindsame Hochs. All das zermürbt ungemein und versöhnt doch am Ende wieder. Es ist das pure Leben im Gothic-Orgel-Mantel. Und das macht verdammt viel Spaß.

Musst du hören: Discovery, Come wander with me/Deliverance, Stranger, Evocation

hörBar #1 | Best 2015 (Part I)

Die hörBar befindet sich in meinem Kopf. Vielleicht sogar im ganzen Körper. Das habe ich noch nicht vollends erkundet. In ihr speichere ich Musikalisches. Seien es Geschichten zu Instrumenten, Discographien von Künstlern oder halluzinogene Songerfahrungen – an dem Ort, der sogenannten hörBar, werde ich schreiben, was mich bewegt.

Auch wenn das Jahr schon vorangeschritten ist, beginne ich diese Rubrik mit dem Blick auf 2015. Dabei geht es nicht um einzelne Songs, sondern um Alben. Das, finde ich, ist die bessere Kategorie um ein aktuelles Werk eines Künstlers kennenzulernen. Und nur wenn ich einen halbwegs umfassenden Eindruck habe, kann ich mir anmaßen Gedanken dazu aufzuschreiben. Here we go –  Teil 1 meiner Alben des Jahres 2015. Die Plätze 10 bis 6!

10_ Grimes – Art Angels

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Es war das Album auf das die Musikwelt am sehnsüchtigsten gewartet hat im letzten Jahr. Und Grimes hat nicht enttäuscht. Mit ihrer Stimme klingt sie sowohl besänftigend als auch fordernd. Musikalisch gibt es vielfältige Stücke: das tanzbar aggressive “Kill V. Maim”, das entzückend-poppige “Flesh without blood” oder das eher an Easy Listening erinnernde “Easily”. Überzeugend und abwechslungsreich.

Grimes macht Galaxy Pop. Aber nicht aus einer anderen Dimension, sondern so als ob sie uns den Weg in die richtigen Sphären zeigt.

Musst du hören: Artangels, REALiTi, California

 

09_ Föllakzoid – III

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Wenn wir Dank Grimes den Weg in sphärische Höhen gefunden haben, bringen Föllakzoid den Soundtrack zum Ankommen in der Galaxie. Transcendental Rock meets Krautrock! Vier Tracks in 45 Minuten. Ein Album, das mich hinwegschweben lässt. Wie schon bei ihrer vorherigen Platte, bringt die Band aus Santiago de Chile den repetitven Sound an den Start, der einlädt die Augen zu schließen und die Gedanken Gedanken sein zu lassen. Die Verbindungen zwischen den Songs sind kleine Zwischenspiele, die die Grenzen zwischen den Songs verschwinden lassen und mich in diese Platte komplett hineingezogen haben. Empfehle ich zum Hören unter dem Sternenhimmel.

Musst du hören: Electric, Earth

 

08_ Noveller – Fantastic Planet

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Der Albumtitel zeigt schon wohin die Reise geht: “Fantastic Planet”. Die Klangwelt von Noveller bekommt man nicht allzu oft zu hören und scheint von weit entfernt zu kommen. Diese Musik verpflichtet zum Innehalten. Nichts wo man vorbeiläuft, nichts wozu man den Refrain mitgröhlt. Noveller prädigt spannungsvolle Langsamkeit, spielt instrumental und entführt in neue Klangerlebnisse. Das kann auch schonmal entfernt an den Sound einer Kreissäge erinnern; aber selbst das klingt wohltuend, finden die Tracks doch immer zurück zum Harmonischen.

Musst du hören: The Ascent, Pulse Point, Sisters, Rubicon

 

07_ Moon Duo – Shadow of the sun

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Das Wort “beruhigend” wird häufig mit einschläfernd gleichgesetzt. Doch das ist natürlich fatal und unangemessen. Wenn Moon Duo ihren psychedelischen Sound auspacken, ist da nicht viel mit schlafen. Hypnotische Gitarrensoli lassen mich (mit der dafür nicht idealen Menge an Haaren) headbangen und die Musik genießen. Eine Band, die ich beim ersten gespielten Ton erkenne. Ein einprägsamer Sound, der sich über Jahre verfeinert, weiterentwickelt und sich in neue Ecken des Gehörgangs windet. Ziemlich beruhigend Moon Duo zu kennen.

Musst du hören: Night Beat, Slow Down Low, Ice

 

06_ Courtney Barnett – Sometimes I sit and think and sometimes I just sit

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Courtney Barnett ist meine Queen of Rock! Was die Australierin an Songtexten raushaut, ist sympathisch, originell und geprägt durch einen großen Drang zum Realismus. Keine abgedroschenen Phrasen, sondern ulkig-melancholische Situationen beschreibt sie in ihren Songs. Es geht mal um Pestizide im Obst, mal ums depressive Hauskaufen oder um vergangene Begegnungen. Barnett lässt jede Situation zum Leben erwecken, mit gnadenloser Offenheit und mit dem gekonnten Kreieren von Punchlines! Beispiele gefällig?

“I think you’re a joke but I don’t find you very funny.”

“At the end of the day it’s a pain that I keep seeing your name but I’m sure it’s a bore being you.”

“The law of averages says we’ll stop in the next town where petrol price is down.”

“You say you’ll sleep when you’re dead, I’m scared i’ll die in my sleep.”

“Give me all your money and I’ll make some origami, honey.”

Courtney Barnett ist cool!

Musst du hören: Pedestrian at best, An illustration of loneliness (sleepless in New York), Nobody really cares if you dont go to the party, Kim’s Caravan

lesBar #1

Spannende Geschichten, gut geschrieben, mit wissenswertem Inhalt. Mir begegnen öfters tolle Texte im Internet. Mal albern, mal spannend, mal wissenswert. Mal gar nichts, mal alles.
Die lesBar ist eine Rubrik, in der ich zusammenstelle, was aus meiner Sicht empfehlenswert ist. Viel wird sich um meine Kerinteressen handeln. Es wird trotzdem abwechslungsreiche Zusammenstellungen geben, die auch Artikel oder Reportagen aus anderen Themengebieten beinhalten und in denen ebenso Hörfunkbeiträge oder -features ihren Platz finden.

Die Links werde ich nur kurz anteasern, das Lesen ist dann euer Vergnügen. Eine Regelmäßigkeit, dieser Rubrik kündige ich erstmal nicht an. Ich habe Lust meine Empfehlungen mit euch zu teilen. Vielleicht gibts ja etwas aus der Auflistung, was euch interessiert. Wenn ihr Lesenswertes teilen wollt, scheut euch nicht als Kommentar einen Link zu hinterlassen!

Ich bin gespannt! Hier ist Ausgabe #1 der lesBar!

Das Jahr, das Frank rettete

Mich langweilt Kino.

Kürzlich sah ich einen Kinofilm des Jahres 2015. Halbwegs anerkannt bei Publikum und Kritikern wie mir scheint. So mein Eindruck aus Meinungen, die mir zuflogen von Freunden oder aus dem Netz.

Kingsman“ hat mich nicht überzeugt. Es gab spannende Szenen, keine Frage. Beispielsweise den Shootaround in der Kirche zum epischen Gitarrensolo aus Free Bird von Lynyrd Skynyrd. Es gab wunderbare filmische Ideen, die mir teilweise Spaß brachten. Doch das, was ich mir von einem Film wünsche, ist nicht geschehen. Ein Film, der mich zu sich hineinzieht, mich eintauchen lässt in eine Welt, die nahbar ist und echt. Ein Film, der trotzdem eine Geschichte erzählt und nicht im simplen Realismus hängen bleibt.

Das soll nun kein Rant gegen erwähnten Film werden. „Kingsman“ hat seine Daseinsberechtigung und hat mich überlegen lassen.

Mich ziehen keine Action-/Blockbusterfilme (mehr) ins Kino. Ich habe das Gefühl diese Art von Film ist für mich nicht mehr befriedigend und ich finde keinen Zugang. Mir ist der Themenkomplex „Welt retten“ wohl abhanden gekommen.

Das ist keine neue Erkenntnis für mich. Deutlich wurde mir das, als ich zurückdachte an meine Kinobesuche des Jahres – da gibt es kaum Blockbuster.

„Avengers 2“ – No.
„Jurassic World“ – No.
„Fast & Furious 7“ – No.
„Star Wars“ – Ja, da wurde ich freundlicherweise eingeladen und wurde durchaus gut unterhalten.

Ein Blockbuster im Jahr scheint verträglich für mich.

Was habe ich stattdessen Aktuelles aus dem Kinojahr gesehen?
„St. Vincent“ von Theodore Melfi mit dem singenden Bill Murray!
Die wunderbare „Victoria“ von Sebastian Schipper (ja, ich bin Fan).
Den Horrorfilm „Ich seh, ich seh“.
„Kiss the cook“ in einer Sneak Preview.
Das skurrile Wagnis „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“.

Größtenteils sehr gelungene Filme, die mir doch recht gut in Erinnerung bleiben. Nichtsdestotrotz lässt sich mit dieser Ausbeute kein Kino-Jahresrückblick an den Haaren herbeiziehen.

Und doch gab es dieses Jahr einen Film, der mich motivierte all diese Gedanken niederzuschreiben. Einen Film, der mir wieder in Erinnerung rief, dass ich weiter daran glauben darf, dass heutige Filme mich erreichen. Und mich mitfiebern lassen. Und mir Steine in den Magen legen. Und mich euphorisch strahlen lassen. Und mich auch Tage nach dem Schauen noch nachdenken lassen.

Es gibt Frank.

Zugegeben: Frank trifft bei mir genau den Nerv. Es geht um Musik. Frank ist Kopf einer Band und ist eine Mischung aus Guru, Genie und Mensch. Und er macht mit seiner Band Musik, die ich ziemlich sicher auf Konzerten feiern würde. Im Film befinden sich die Musiker in einer Hütte und nehmen dort ein Jahr(!) lang ihre Songs auf. Und die sind irgendwo in den Sphären des Experimental-/Psychedelic-/ Avantgarde-/Drone-/Space-Rock anzusiedeln. Erinnerte mich an fantastische Bands wie Spiritualized oder Spacemen 3.

Die Jam-Sessions aus dem Film riefen mir die goldenen Jahre des Krautrock aus den 70ern ins Gedächtnis. Zum Beispiel diese Session von der Band „Guru Guru“.

Dieser Geist des Ausprobierens und des Neuentdeckens von Musik schwingt auch bei der Band von Frank – The Soronprfbs – mit. Sie sind leidenschaftliche Musiker und Schauspieler. Das macht sicher diesen Reiz des Films für mich aus. Ich hatte mich auf einen Film gefreut, in dem ein ungewöhnlicher Typ Musik macht. Ich hatte nicht damit gerechnet wie er Musik macht! Und dann auch noch solch furiose Musik. Das hat mich tief beeindruckt und mir diesen Film ins Herz geschlossen.

Ich kann keine analytische Aufarbeitung des Films abgeben. Das würde vielleicht meine große Verbundenheit zu Frank (dem Typen) und Frank (dem Film) ruinieren.

Wer ist Frank eigentlich?
Er hat psychische Probleme, die nicht weiter thematisiert werden. Er kanalisiert all seine Energien auf die Musik und die Menschen mit denen er musiziert. Er ist ein musikalisches Genie, das gedanklich gar nicht auf dem Schirm hat, dass jemand die Musik seiner Band gut finden könnte. Dieses absolute Fokussieren auf das Musikmachen ist das Authentischste und Sympathischste, was ich dieses Jahr so gesehen habe. Absolut egal, ob und wie Musik verbreitet wird. Musik machen um der Musik Willen. Das ist gut!

Achja: Frank trägt einen Pappmaschee-Kopf.

Ein großer Protagonist, inspiriert von dem realen Musiker Frank Sidebottom.
Ein Video von einem Auftritt.

Eine tolle Band (u.a. Maggie Gyllenhaal am Theremin) und ein beeindruckender Michael Fassbender als Frank. Zusammen jammen sie diese tollen Stücke.

Watch Frank!
Es ist schräg, skurill und groß. Menschlich und musikalisch.